Rückwärtslaufen

27. November 2017

Stimmt es, dass...Rückwärtslaufen gesund ist?

Walter O. Frey, aufgezeichnet von Adrian Ritter, Redaktor UZH News

Ja, das stimmt. Deshalb empfehle ich es auch unseren Patienten im sportmedizinischen Zentrum der Universitätsklinik Balgrist. Ich praktiziere Rückwärtslaufen selber regelmässig. Wenn ich mit der Familie wandern gehe, laufen wir zwischendurch immer wieder für ein bis zwei Minuten rückwärts. Das macht nicht nur den Kindern Spass.

Für mich als Sportmediziner ist zudem klar: Es ist gesund. Rückwärtslaufen stärkt unsere koordinativen Fähigkeiten, weil wir dabei neue Bewegungsmuster lernen. Der Körper hat so mit der Zeit eine grössere Auswahl an Bewegungsformen und wird dar-

aus automatisch auch beim Vorwärtsgehen bessere, geschmeidigere Varianten wählen - etwa in der Art, die Füsse abzurollen. So verbessern wir durch Rückwärtslaufen auch unser Vorwärtslaufen.

Rückwärtslaufen verbessert aber nicht nur die Koordination, sondern schont auch die Gelenke. Manche Menschen haben Mühe, abwärts zu wandern, und bekommen zum Beispiel Knieschmerzen. Kurze Sequenzen von Rückwärtslaufen zwischendurch können helfen. Dabei entlasten wir die kritischen Punkte am Körper, weil andere Muskeln und Sehnen zum Einsatz kommen. Ich höre von Patienten immer wieder, dass sie dank dieses Tricks wieder Bergwanderungen unternehmen können.

Rückwärtslaufen ist auch für sportlich ambitionierte Menschen sinnvoll: Indem wir den Körper immer wieder kurz entlasten, kann er sich schneller regenerieren. Weil man so länger und öfter trainieren kann, lässt sich durch Rückwärtslaufen indirekt auch die Grundkondition verbessern.

Klar ist: Wer rückwärts läuft, muss sich konzentrieren. Deshalb sollte man es nicht länger als jeweils ein bis zwei Minuten lang tun – dafür wiederholt. Die Gefahr ist das Stolpern: Wer es ausprobieren will, sollte im flachen Gelände auf einem Weg ohne Hindernisse beginnen und langsam laufen.

Wenn man beim Rückwärtslaufen mal stolpert, ohne sich zu verletzten, betreibt man gleichzeitig Unfallprävention. Auch beim Stolpern lernt der Körper nämlich neue, sinnvolle Bewegungsmuster. Sie sind auch beim Vorwärtsstolpern nützlich und helfen uns, nicht hinzufallen. Nicht zuletzt macht Rückwärtslaufen auch Spass. Dass man dabei auch mal schräg angeschaut wird, sollte man in Kauf nehmen. Man hat ja gute Argumente. Wem es zu riskant erscheint, kann man mit Seitwärtslaufen beginnen – auch so übt der Körper neue Muster ein. (Aufgezeichnet von Adrian Ritter)

 

Walter O. Frey ist Sportmediziner und Ärztlicher Leiter von «Balgrist Move>Med» (Swiss Olympic Medical Center) an der Universitätsklinik Balgrist.

Hier ist der Artikel aus dem UZH Journal zum Rückwärtslaufen, Seite 20, rechte Spalte, 47. Jahrgang, Nr. 3, Mai 2017:

http://www.kommunikation.uzh.ch/dam/jcr:0b59434d-01a5-49b7-a151-6f7be530b2ea/Unijournal_Nr3_2017_72dpi.pdf

 

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