Verbalsport: Sportliche Ausreden

26. August 2017

Unsere westliche Kultur, geprägt von den alten Griechen, den grossen Denkern und Philosophen, lehrt uns schon früh, Aussagen mit kritischen Fragen zu prüfen. Denn wenn wir Dinge erklären können, entwickeln wir automatisch (ein Gefühl von) Verständnis dafür. Dieses wiederum ist der Schlüssel zur geistigen Ruhe: Wenn die Frage beantwortet ist, können wir sie ad acta legen. 

Als Sportler kennen wir das nur zu gut. “Warum hat meine Leistung heute nicht meinen Erwartungen entsprochen?” Eine Frage, die stundenlang durch die Neuronengänge wandern kann. Antworten gibt es wie Sand am Meer und unser Entdeckergeist begibt sich gerne dort auf die Suche, wohin wir unseren Blick richten können. Also irgendwo in die Aussenwelt. Die Psychologie nennt diese Art der Begründung extrinsische Attribution.

Das Wetter beispielsweise, ist nicht nur des Outdoorsportlers treuester Freund. Müdigkeit, die zu einem Leistungsabfall führt, lässt sich damit genauso gut begründen wie unkoordiniertes Bewegen. Motivationsschwankungen lassen sich hervorragend auf die Mondphase schieben und jegliche Technikpatzer erkläre ich gerne mit der Ausrüstung: “Hätte ich bessere Ski und diese mit dem gelben statt dem roten Wachs präpariert, tja dann wäre ich definitiv schneller gewesen.”

Die Regel des externen Attribuierens gilt aber nur für unterdurchschnittliche Leistungen. Wenn du plötzlich exorbitant viele Muscle Ups schaffst, dann liegt das sicherlich nicht an dem Protein Booster, den du neuerdings zu dir nimmst.

Dalia Hamdy, Hochschulsportlehrerin ASVZ

 

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