PRO

Thomas Borowski, ist seit 20 Jahren in einer festen Beziehung und trotzdem sozial sehr offen, deshalb findet er den gegenseitig akzeptierten Trainingsflirt unter Umständen sogar leistungsfördernd.

Zugegeben, Flirten im Sport ist ein heikles Thema, vergleichbar mit dem feinen Balanceakt auf der Slackline: Solange man damit nicht übertreibt und sich auf beiden Seiten im grünen Bereich bewegt, bleibt man auf der Line und hat dabei unter Umständen tolle Gefühle. Vorausgesetzt, beide Flirtseiten zeigen die gleichen positiven Signale. Übertreibt aber eine Seite das Anflirten, gerät die ganze Chose aus der Balance, und das unvermeidliche Ende – der Absturz von der Flirt-Slackline – ist die logische Konsequenz.

Aber: Hat man als Sportlerin oder Sportler dieses Grundgesetz (das natürlich nicht nur im Sportbetrieb, sondern auch im Alltag Gültigkeit hat) begriffen und verinnerlicht, wirkt der Flirt durchaus leistungsfördernd. Das Phänomen habe ich jedenfalls schon öfter beobachtet, beispielsweise im Krafttraining. Kaum betritt ein Wesen des bevorzugten Geschlechts den Raum und lässt den Blick schweifen, wird die Trainingsintensität an den Hanteln deutlich gesteigert. Gleiches geschieht auch andernorts. Schaut das Objekt der Begierde beim Gerätetraining aufmerksam zu, wird die Barrenübung durchgeturnt, als ob der Olympiasieg winkt. Flirten über Leistung lautet hier wie da das Motto.

Und seien wir doch ehrlich: Es tut einfach gut, wenn die eigene Sportleistung mit anerkennenden Blicken oder einem aufmunternden Lächeln gewürdigt wird. Ob das nun gleich als Flirt aufgefasst wird oder nicht, das muss dann jede und jeder für sich selbst entscheiden… schön ist, wenn es beidseitig Spass macht und der feine Balanceakt gelingt.

 

KONTRA

Claudio Zemp, ist vergeben und Spartaner. Flirten kommt ihm nicht in die Tüte, schon gar nicht beim Fitness. Kein Seitenblick wird geduldet, nur das eine Ziel im sportlichen Auge: Die Form.

Verflixt nochmal. Wozu stählt man die Muskeln, wozu müht man sich ab, wozu feilt man an der Form? Das Ziel der Silhouette ist doch einzig, damit einen anständigen Eindruck zu machen beim bevorzugten Geschlecht. Aber Flirten während dem Fitness? Bitte nein, kommt nicht in Frage, auf keinen Fall. Das wäre eine unerwünschte Unterbrechung. Also tschüss, ich muss weiter, steppen, schwitzen, joggen, strampeln, pushen, ... .

Was ist? Ach so, klar, das Böse lauert überall, auch in Sportstätten. Da ist mentale Stärke gefragt. Die politisch korrekte Basis ist klar, sie lässt keinen Interpretationsspielraum. Man sagt dem auch Selbstdisziplin: Eine Seiltänzerin sollte nicht straucheln, ein Speedskifahrer besser keinen Verschneider machen, und beim Gewichtheben braucht es eben Rückgrat. Seitensprünge schaden der Wirbelsäule.

Wenn aber alles nicht hilft und die Verlockung nachhaltig nervt, empfehle ich das Gebet. Modische Mönche murmeln ihr Mantra. Gute Katholiken sagen still ein «Vater unser» auf: «Und führe mich nicht in Versuchung!», lautet die entscheidende Zeile. Wichtig auch, Augen zu, wegschauen! Meistens geht die Attraktion von alleine vorbei, beinahe schmerzlos.

Bei hartnäckigen Fällen gibt es den Trick, Vorbilder zu visualisieren. Was würde Bruder Klaus tun, wenn ihm der Teufel einen Braten in die Klause brächte? Er würde, wie alle Heiligen, die Mahlzeit ablehnen. Es ist einfach: Du sollst keine Energie verschwenden für Gefühlsgeplänkel. Das ist unnötig. Und nach dem Training bitte direkt nach Hause. Fertig.

 

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Der nächste Blogbeitrag erscheint am Montag, 31. Juli 2017.