Pro & Kontra - Individualsport in der Gruppe? Eine Fangfrage für Fortgeschrittene.

19. Juni 2017

PRO

Claudio Zemp, Nostalgiker und eigensinniger Innerschweizer Fan. Findet Ja, natürlich beides! Die verschiedenen Individuen machen das Team aus, wie das Profi-Beispiel «FCL 1989» zeigt.

Einzelkampf oder Teamplay? Das ist eine Fangfrage, die Mischung macht es aus. Ich möchte an einem historischen Ereignis aufzeigen, warum die Individuen entscheidend sind. «Das Wunder von Luzern» passierte 1989, noch vor dem Internet, aber unvergessen: Der FCL wurde Schweizer Fussballmeister. Einmalig!

Damals fuhren wir jeden Samstag auf die Allmend, und es ärgert mich bis heute, dass ich ausgerechnet den Meistermatch verpasste, wegen einem ollen Verwandtenbesuch. Zum Glück kam es nicht auf mich an, ich war nur einer von Zehntausenden. Die Fans waren eine singende Wand, und die Jungs auf dem Feld holten den Pot cool nach Hause. Dafür bin ich ihnen ewig dankbar, allen zusammen, nicht nur dem Coach, Friedel «wir danken dir» Rausch.

Als Souvenir besitze ich ein Leibchen, ein Einzelstück, unverkäuflich. Vorne steht «Siehe LNN», lang ist’s her. Auf dem Rücken sind die Autogramme von Sigi Gretarsson, «Longo» Schönenberger und Peter Nadig. Die Signaturen der Stars sind zum Teil verblichen, aber die Unterschriften der Indianer kann man noch lesen: Stefan Marini, Urs Birrer und Hampe Baumann. Sogar der legendäre Masseur Gianni Valli hat unterschrieben, unglaublich!

Mein Punkt ist, dass es jeden einzelnen brauchte: Jürgen Mohr, Giftzahn Roger Wehrli und sogar Goalie Roger Tschudin. Auch Peter Gmü-hür, of course, fast hätte ich ihn vergessen. Aber planbar ist sowas nicht, zum Glück. Dass es diese Elf zusammen schafften, das war eben ein Wunder. Und ich glaube fest daran, dass es nochmal passiert, selbst wenn ich nicht dabei sein sollte: Marmor, Stein und Eisen bricht…

 

KONTRA

Thomas Borowski, betrieb über Jahrzehnte die Einzelsportart Leichtathletik, bis heute ist ihm aber ein Sportanlass in bester Erinnerung geblieben, in dem die Gruppe Vorrang hatte.

Lange zu überlegen brauche ich nicht: Meine bleibendste Erinnerung an ein Sportereignis datiert nicht auf einen Wettkampf als Individualsportler zurück, im Gegenteil. Die schönste Erinnerung habe ich an ein Gruppenerlebnis, auch wenn dessen Resultat für mich alles andere als erquicklich war. Das Herrenteam unseres kleinen Leichtathletikvereines hatte sich sensationell für die Schweizer Staffelmeisterschaften über 4x400m qualifiziert, und ich durfte dabei sein. Seit Wochen trainierten wir im Team auf diesen Saisonhöhepunkt hin, motivierten uns gegenseitig zu noch mehr Stehvermögen, trafen uns nach dem Training zu viert zum Durstlöscher. Dann kam der Wettkampftag, der Coach machte mich zum Startläufer – und das war’s mit meinem Nervenkostüm. Nach dem Startschuss rannte ich die übermotivierteste Bahnrunde meines Lebens, leider reichte meine Energie nur bis knapp über 300 Meter. Die Zielgerade wurde zur veritablen Wand, der Hammermann schlug mir gefühlte 1000 Mal an die Birne... und die Stabübergabe an den zweiten Läufer unserer Viererstaffel schaffte ich nur noch knapp, mit einem Riesenrückstand, bevor ich nach Luft japsend zusammenbrach.

Fazit der Anekdote: Wir gewannen an dem Tag keine Medaille und ich wurde nie mehr als Startläufer aufgestellt. Aber die Gruppe stützte mich weiterhin und wir trainierten nach diesem einprägsamen Erlebnis munter weiter. Bis heute übertrifft diese positive Erinnerung an Gruppensport bei weitem alle Sportanekdoten, die ich als Individuum erlebt habe – und das wird wohl noch lange so bleiben.

 

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