PRO

Claudio Zemp, 42 Jahre, Polysport-Amateur, hat als Teenie einmal am Blackjacktisch in 5 Minuten 100 $ Spielgeld verjoggelt - Rekord!? «Echten Sport» findet er etwas anstrengend.  

Mitmachen kommt vor Gewinnen. Frei nach dem olympischen Motto breche ich einen Speer für alle bewegungsfaulen «Master Mind» Spieler der Welt. Pokémon Go, Counterstrike, Dota 2 oder Darts. Natürlich sind das spiessige Aktivitäten, aber auch spassig. Wieso soll das kein Sport sein?

Wii-Tennis mag zwar nicht so schweisstreibend sein wie richtiges Tennis, aber dafür ist die Ausrüstung billiger. Und man kann es daheim spielen, bei jedem Wetter, ohne Club und Tickets. Nicht jeder kann sich ein Rennpferd mit Jockey leisten, virtuell jedoch kommt jedes Phlegma mit dem Board durch die Halfpipe und kann mit einem Daumendreh die krassesten Tricks zaubern.  Das niederschwellige ist der grosse Trumpf von Konsolen und Konsorten. Hoch lebe das Jekami, da ist Minigolf wie echtes Golf, nur ohne Handycap, jeder Laie kann sich mit einem Profi messen.

Du hast Lust auf Sport? Setze ein E mit Bindestrich davor, und du kannst jede Sportart der Welt ausüben, ohne zu üben. Je grenzwertiger eine Sportart ist, desto eher bin ich für die E-Variante. Echte Autorennen sind doof, aber an der Konsole blochen? Ja! Schiesssport ist öd, aber ein kleines Ego-Shooter-Game reizvoll.

Sport soll Spass machen, schwitzen ist nice to have. Ermüdend finde ich eher Verbandsmeierei, und mit Verlaub, auch die Frage, welche Spiele nun echter Sport seien. Profiverträge für Gamer mit Publikum und saftigen Preisgeldern brauche ich zwar auch nicht. Aber ein kleines Glücksspiel unter Freuden, jederzeit. A propos: Wer kommt am Mittwoch jassen im weissen Kreuz?

 

KONTRA

Thomas Borowski, 51 Jahre, Hobbysportler von Kindheit an, schätzt am Sport seit jeher das Körperliche und die Müdigkeit danach – alles andere ist für ihn nur Spiel.

Google macht's mir heut einfach und belegt «the real deal». Die numerischen Resultate für die beiden Suchbegriffe Sport und Spiel sprechen mir aus dem Herzen: Sport = 4'190'000'000 Ergebnisse, Spiel = 135'000'000 Ergebnisse. Sport findet rund 30 Mal mehr Erwähnungen als Spiel, weil sich das eine deutlich vom anderen abhebt – und trotzdem müssen wir hier darüber diskutieren. Denn der nicht nur beim Kollegen Zemp sondern auch bei vielen anderen vorhandene Irrglauben, dass diverse Spielformen auch Sport seien, teile ich absolut nicht.

Beispiel gefällig? Dart oder Schach, Tierdressuren, Computergames, Motor- oder gar Denksport – das ist in meinen Augen alles kein Sport, auch wenn es behauptet wird. Wer meint, dass all dies auch nur im Entferntesten mit Sport zu tun hat, der hat (so ganz unter uns gesagt) vermutlich selbst noch nie richtig Sport getrieben. Sport ist per Definition die körperliche und motorische Aktivität eines Menschen, und nicht die Bewegung einer Maschine oder eines anderen fremdgesteuerten Etwas. Oder wollt ihr echt behaupten, dass beispielsweise der Coach am Spielfeldrand Sport betreibt, während er die Spieler auf dem Feld rumdirigiert? Eben!

Sport ist für mich einfach spürbar, wenn sich mein Puls erhöht, wenn mein Körper mehr Sauerstoff fordert, wenn mein körpereigenes Kühlsystem mittels Schwitzen hochfährt. Geschieht all dies gleichzeitig, dann weiss ich, yeahh, DAS ist Sport! Alles andere ist – zugegebenermassen ab und zu auch für mich ein ganz erfreuliches und einfach zu unterscheidendes – Spiel.

 

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