Gestern Abend fand im Dozentenfoyer der ETH Zürich der zweite Vortrag der Vortragsreihe Sport & … zum Thema Sport & Financial Fairplay statt. Der Referent Prof. Dr. Egon Franck, Professor für strategische Unternehmensführung der Universität Zürich, Mitglied des Club Financial Control Body der UEFA sowie Präsident des ASVZ sprach über Geldangelegenheiten im Profi-Fussball und die neuen Anforderungen, die der Verband UEFA an die Finanzierung der Fussballklubs stellt.

Während ihre Erlöse Jahr für Jahr steigen, ist die finanzielle Situation zahlreicher Profi-Fussballklubs prekär. Dieses Phänomen war die Grundlage des Vortrags von Egon Franck, der sich als Mitglied des Club Financial Control Bodys der UEFA mit diesem Problem auseinandersetzt. Zum Einstieg erläuterte der Präsident des ASVZ, worum es sich beim aktuellen Eingriff im Bereich des Financial Fairplay handelt: finanzielle Regeln, die Klubs zwingen, ihre Ausgaben für Saläre und Spielertransfers aus den eigenen Einnahmen im Fussballmarkt zu bezahlen.

«In der Regel kauft Geld sportlichen Erfolg», so Franck, der dem Publikum Listen von den umsatzstärksten Klubs sowie den grosszügigsten privaten Geldgebern zeigte. Unterstützen private Geldgeber, sogenannte «Sugardaddys», oder der Staat einen Fussballklub, ergebe das «weiche Budgetbegrenzungen», die zu einer Salärblase führten. «Der Bietwettbewerb um das fixe Talentangebot macht abhängig von Finanzspritzen», erklärte Franck die Situation, die ähnlich auch in Finanzsystemen anderer Themenbereiche zu finden ist. Weiche Budgetbegrenzungen verzerrten den Preismechanismus und führten zu verschuldeten Klubs, so Franck weiter.

Dass die UEFA dem Teufelskreis durch eine strikte Finanzreglementierung Einhalt gebieten will, stösst in der Fussballwelt auf Kritik. Befürchtungen und mögliche Folgen des Beschlusses erhielten entsprechend ihr eigenes Kapitel im Vortrag. Als wesentlich bezeichnete Franck das Ziel der UEFA, die finanziellen Zuschüsse weiter in die Fussballwelt fliessen zu lassen; statt Finanzspritzen für marode Klubs könnten statt dessen etwa Stadien finanziert werden, führte der Referent an. Auch die Befürchtung, Financial Fairplay würde die Hierarchien innerhalb des europäischen Fussballs weiter zementieren, widerlegte Franck: «Sponsoringverträge, bei denen der Klub markgerecht für erbrachte Werbeleistungen entschädigt wird, sind voll im Rahmen. Erst wenn der Klub für seine Leistungen über dem Marktpreis entschädigt wird, entsteht ein Problem.» Ausserdem gingen private «Wohltäter» zu den grossen Klubs und würden so deren Dominanz verstärken, führte der Spezialist an. Als Vorteil der neuen Regelungen nannte Franck die stärkere Bedeutung von «gutem Management» für den sportlichen Erfolg durch die unterbundene «Geld-zu-Geld-Dynamik», was für die Spannung in der europäischen Fussballwelt von Vorteil sei.

Nach dem einstündigen Vortrag folgte eine Fragerunde, die aufzeigte, dass das Publikum Egon Franck nicht nur aufmerksam zugehört hatte, sondern auch über Wissen im Themenbereich verfügt. Kritisch wurde Franck zum Beispiel nach möglichen Umgehungsversuchen der neuen Regelungen befragt – «Umgehung ist bei allen Regelwerken ein Problem, aber im Fussballturnier gibt es starke Anreize für Whistleblower», gab dieser unbekümmert zur Antwort.

Text: Anna Rosenwasser