Am 21. April 2015 debattierten im Dozentenfoyer der ETH Zürich prominente Gäste wie Mike Kurt, Kajak-Europameister und Mehrfach-Olympionike sowie Mitgründer der Crowdfunding-Plattform „I believe in you“ oder Kariem Hussein, Europameister im 400m-Hürdenlauf über Do’s und Dont’s bei der Lancierung einer Crowdfunding-Kampagne, die Erfolgsfaktoren sowie das riesige Entwicklungspotential, das in dieser Online-Projektfinanzierungsform steckt.

Zu Beginn der Veranstaltung veranschaulichte Mike Kurt das Phänomen Crowdfunding anhand von Beispielen aus dem Alltag der Crowdfunding-Plattform „I believe in you“, die komplett auf Sportprojekte spezialisiert ist. Die Finanzierung von Sportprojekten – aus dem Spitzen- wie auch aus dem Breitensport – erfolgt mittels privater Förderbeiträge über das Internet und funktioniert nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip: Nur wenn der angestrebte Gesamtbetrag zusammenkommt, ist das Projekt erfolgreich und nur dann fliesst das Geld zu den Athletinnen und Athleten. Rund 70% der erfassten Kampagnen erreichen ihr Ziel. Kurt betonte, wie wichtig es sei, ein Projekt als möglichst attraktive Geschichte mit klarer Botschaft zu präsentieren und sowohl im persönlichen Umfeld als auch in der Sport-Community viel Mobilisierungsarbeit zu leisten. „Crowdfunding geht nicht von selbst“, unterstrich er. „Man hat das Geld keinesfalls auf sicher“, führte Melina Roshard, Kommunikationsverantwortliche der Plattform „we make it“ in der nachfolgenden Podiumsdiskussion aus.

Neben Mike Kurt und Melina Roshard sorgten der Sportpsychologe Jörg Wetzel sowie Kariem Hussein, Europameister im 400m-Hürdenlauf für spannende Perspektiven zum Thema. Zur Sprache kam dabei auch Husseins über „I believe in you“ finanziertes dreiwöchiges Trainingslager in Südafrika. Wieso er nicht einen grösseren Betrag zusammenbringen wollte, fragte Moderator Christian Graf bei Hussein nach. „Weil das der effektive Wert des Trainingslagers war“, antwortete dieser und ergänzte, dass alles andere unglaubwürdig gewesen wäre. Kariem Husseins Empfehlungen an potentielle Projektinitiatoren überraschten nach diesen Ausführungen nicht mehr: den Zielbetrag realistisch ansetzen, die Kampagne gut aufziehen und über alle möglichen Kanäle veröffentlichen.

Die Frage nach der psychologischen Ansiedlung des Phänomens Crowdfunding wurde auf dem Podium kontrovers diskutiert. Aus Sicht der Athleten sei der Fall aber klar, so Kariem Hussein. „In erster Linie geht es darum, ein Projekt zu finanzieren.“ Allerdings dürfe auch der emotionale Wert eines Beitrags aus Sicht der Geldgeber nicht vergessen werden. „Auf diese Weise kann jeder zum Erfolg eines Sportlers beitragen und so auch daran teilhaben“.

Die Podiumsdiskussionsteilnehmer waren sich einig: Crowdfunding ist ein erfolgreiches und zukunftsträchtiges Finanzierungsinstrument, ganz nach dem Motto „lebe nicht deinen Traum, finanziere ihn auch“. Sportpsychologe Jörg Wetzel schloss die Podiumsdiskussion mit Bedacht: „Bei der Realisierung einer Crowdfunding-Kampagne darf es nicht nur um das „I believe in YOU“ gehen; es muss vielmehr das „I believe in ME“ vorhanden sein“. Denn nur die absolute, innere Überzeugung ebne den Weg zum Lorbeerkranz. Oder eben zur sensationellen EM-Goldmedaille vor Heimpublikum.

Text: Lisa Gubler