Am 26. April 2016 referierte die Doktorandin Nathalie Giroud vom Psychologischen Institut der Universität Zürich im Vortrag «Sport & Gehirn» über die Veränderungen, die im Gehirn durch sportliche Aktivität hervorgerufen werden.

Dass Sport auch gut fürs Gehirn ist, haben die meisten schon mal irgendwo gehört. Aber wird das Gehirn durch körperliche Ertüchtigung grösser? Schadet ein gebrochener Arm dem Gehirn? Und heilt Sport gar nachlassende Leistungen im Alter?

Bevor Referentin Nathalie Giroud diese Fragen beantwortete, stellte sie sie dem Publikum. Nicht selten war sich dieses uneinig; schliesslich kursieren nicht nur widersprüchliche Studien, sondern vor allem auch unklar formulierte Medienberichte über die Auswirkungen von Sport aufs Hirn. In welcher Form das eine das andere beeinflusst, untersucht Giroud an der Universität Zürich. Die Doktorandin hat sich auf die Neuroplastizität – also die Fähigkeit des Gehirns sich selber zu verändern – der Sprachverarbeitung im Alter spezialisiert. Für die Gäste am Vortrag «Sport & Gehirn» thematisierte sie unterschiedliche Altersklassen und den Zusammenhang zwischen sportlichen Aktivitäten und messbaren Veränderungen im Gehirn.

In einer Einführung erläuterte die Referentin grundlegende Begriffe rund ums Gehirn. Hierbei unterschied Giroud zwischen motorischer Steuerung, die Bewegungen initiiert, und sensorischer Steuerung, die Gefühltes registriert. Eine Bewegung, wie sie im Sport stattfindet, beansprucht unterschiedliche Teile des Gehirns: von der Entscheidung über das räumliche Vorstellungsvermögen bis hin zur präzisen Bewegung, die eventuell gar im letzten Moment noch korrigiert wird.

Mit spürbarer Begeisterung schilderte Giroud die unterschiedlichen Lernphasen, die ein Gehirn durchmacht, etwa beim Tanzen. Der Prozess beginnt in der kognitiven Lernphase, in der jeder Schritt bewusst geschieht und viel visuelle Information zur Hilfe genommen wird. Darauf folgt die assoziative Lernphase, die bereits etwas weniger Aktivierung der Nervenzellen im Gehirn braucht. Die letzte ist die automatische Lernphase, in der etwa Tanzschritte keine bewussten Überlegungen mehr benötigen. «Die Kontrolle verschiebt sich vom Externen ins Interne», formulierte es Giroud.

Dieses mit Bewegung verbundene Lernen ist auch im Gehirnvolumen sichtbar. Ohne Rehabilitation nach einer Verletzung schrumpft beispielsweise das entsprechende Hirnareal – dafür haben Studien auch gezeigt, dass entsprechende Teile des Hirns wieder wachsen können, wenn die verletzten Körperteile trainiert werden. Ebenfalls ist eine Volumenveränderung bei Spitzensportlerinnen und -sportlern zu beobachten: Die genutzten Areale sind in deren Hirn oft grösser als in denen von Laien. Dieser Zusammenhang sei bei jüngeren Menschen zwar stärker, verschwinde aber im Alter nicht, so Giroud: «Es gibt Neuroplastizität im Alter, und Fitness scheint ein wichtiger Parameter zu sein.»

Gleichzeitig warnte die Doktorandin aber vor falschen Schlüssen. Zusammenhänge, wie sie etwa zwischen Fitness und Lernleistungen festgestellt worden seien, führten nicht zwingend zu einer Kausalwirkung. Es könne aber davon ausgegangen werden, dass Fitness eher das Wachsen von neuen Gehirnzellen fördere. «Eine angereicherte Lernumgebung scheint dafür zu sorgen, dass diese Zellen überleben und genutzt werden können.»

Text: Anna Rosenwasser