Pro & Kontra: Lärmen, Schwatzen und Stöhnen im Training

10. Dezember 2021

Pro

Claudio Zemp zerbricht in der Küche dauernd Geschirr – und er schwört, dass es nicht extra geschieht! Mit dem Lärm im Training ist es ähnlich: Jedem kann mal eine Hantel zu Boden fallen.

Quod licet Iovi, non licet bovi. Der Spruch heisst, frei übersetzt: Was dem Zeus erlaubt ist, kann sich nicht jeder Ochse erlauben. Deshalb darf der Chefcoach das Fanionteam schlauchen und beschimpfen, aber die armen Girls und Boys im Training müssen still sein und sich dies gefallen lassen. Deshalb habe ich nichts gegen einen Witz, wenn er sitzt. Auch nichts gegen laute.

Nadals Stöhnen mag ich zwar auch nicht, schon gar nicht, wenn er gegen Roger spielt. Und sowieso, auf Sand, völlig unnötig! Dann möchte ich am liebsten durch den TV hindurchgreifen und ihm an die Gurgel, ihm den Mund stopfen. Er hat ja notabene noch jenste weitere Ticks, die nur nerven und die unser Maestro nicht braucht. Aber hei, easy, es gehört zu Nadal, wie die linkshändige Vorhand. Deswegen bin ich ausnahmsweise schön still. Selbst wenn er gewinnt. Schalte höchstens ab.

Wenn ich mit dem Rennvelo weite Touren mache, an einem Pass obsi fahre, freue ich mich über jede Ablenkung. Anders als allein, dann singe ich höchstens, wenn es streng wird oder rufe in den Wald hinein. Einmal kurz, dann ist gut. Zu zweit kommt man aber weiter. Und der Schwatz im Training macht es aus, es ist das Salz in der Suppe. Man kann sich über Gott und die Welt austauschen, über Feinheiten der Ernährung reden oder irgendeinen Eclat schnöden. So merkt man gar nicht, wie die Zeit vergeht.

Braucht es noch ein Argument? Ach herrje, gerne! Seit neustem bin ich in einem echten Club, mit Mitgliedergebühr und allem Drum und Dran. Da kann ich nun schimpfen und seufzen über die Verpflichtungen, die das Vereinsleben mit sich bringen. Und ich lasse auch nicht davon ab, denn ich mache Fortschritte. Seit ich regelmässig ins Training gehe und dabei diszipliniert (gezielt: weniger ist mehr!) weiterschimpfe, lerne ich spielend dazu.

Es gibt nämlich einfach die folgenden Typen und das ist gut so: Typ A kommentiert laut, Typ B ruft gern aus, Typ C flucht gar (nur an schlechten Tagen, immerhin). Am Ende des Tages sind wir aber alle ein Team. Da darf es auch mal knallen. Egal, wer gegen wen spielt. Auch wenn es manchmal nervt – niemand zählt die Bobos im Training - Geräusche gehören halt auch dazu.              

 

Kontra


Thomas Borowski mag das konzentrierte Trainieren, hat trotzdem nichts gegen einen kleinen Scherz im Workout, versteht aber die Motivation von Dauerschwatzenden nicht, welche oft in Trainings babbeln.

Weil wir uns ja im akademischen Umfeld bewegen, zitiere ich hier in selektiven Auszügen gerne mal wieder die Wissenschaft. Genauer gesagt die Abteilung Sportpsychologie der ehrenwerten Humboldt-Universität in Berlin zum Thema Konzentration: «Im Sportkontext bedeutet Konzentration die Fähigkeit, bewusst und willentlich die Aufmerksamkeit darauf zu fokussieren, was in der jeweiligen Situation wichtig ist.»  Meines Erachtens eine tolle Aussage, frei nach meinem Gusto interpretiert: Wer Sport treibt, konzentriert sich bitte sehr jeweils auf die nächste Bewegung, solange die Aktivität andauert. Nur so gelingt es doch, sich in die sportliche Tätigkeit richtig zu vertiefen und dadurch in den Flow-Zustand gelangen.

Doch warum nur gibt es in praktisch jeder Groupfitness-Lektion die Dauerschwätzer:innen, welche sich lautstark unterhalten? Wieso muss der Typ im Krafttraining dauernd laut vor sich hinstöhnen? Meine Annahme: Weil sie alle ein Konzentrationsproblem haben. Diese persönliche Ansicht wird von den Berliner-Wissenschaftler:innen erhärtet, welche diverse Ursachen für besagtes Problem auflisten: «Energiemangel, Müdigkeit, falscher Fokus, Auseinandersetzung mit vergangenen Ereignissen…», you name it!

Wer im Training lärmt, schwatzt und stöhnt, der bringt die Konzentrationsfähigkeit nicht mehr auf. Nach einem anstrengenden Vorlesung- oder Arbeitstag durchaus verständlich. Deshalb mein Tipp an die Babbler:innen und Stöhner:innen (frei nach den Erkenntnissen aus Berlin): Übt euch etwas mehr in Selbstkontrolle. Oder wie es die Wissenschaft formuliert: «Holen Sie Ihre Gedanken sanft zurück und versuchen Sie, weiterhin die anstehende Aufgabe vorauszudenken. Je häufiger Sie das üben, umso leichter wird es Ihnen fallen, Ihre Gedanken zu kontrollieren.» Sag ich’s doch!

PS: Was die Sportpsychologie zum Thema Konzentration zu sagen hat: https://www.spowi.hu-berlin.de/de/institut/sportpsychologie/fuer-die-praxis/konzentration-1

 

 

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