Pro & Kontra: Sportmaterial kaufen ist besser als mieten

16. März 2020

Pro

Thomas Borowski kauft sich lieber eigene Sportgeräte wie Golfschläger, Bikes oder Snowboards, weil er mit dem qualitativ hochwertigen Material über die Jahre eine innige Verbindung aufbaut.

Ja ich weiss: Sportgeräte gegen ein Entgelt mieten ist quasi die althergebrachte Tradition des heute ach so trendigen Teilens. Die Sharity – also die Sharing Community – wird in extremis als die heilbringende Bewegung propagiert, welche unsere Konsumgesellschaft vor dem Untergang und zuviel Materialismus retten soll. Auch wenn das Trendbarometer des Gottlieb Duttweiler Institutes schon vor Jahren verkündete, «Besitz wird zunehmend als Ballast empfunden. (...) Teilen wird zur Norm.», stimme ich dieser Meinung nicht zu. Mieten und Teilen ist nicht besser als das bewusste Kaufen. Warum?

Ganz einfach! Wer wie ich sein Sportmaterial ausgesucht einkauft und dabei darauf achtet, keine Billigware, sondern qualitativ hochwertige Geräte auszuwählen, der darf davon ausgehen, dass diese Produkte auch entsprechend lange halten. Ergo fährt beispielsweise mein einst teures Mountainbike dank entsprechender Pflege nun schon über eine Dekade einwandfrei.

Fragt sich bei der Fraktion Mieten und Teilen denn auch mal wer, was mit dem ganzen Material, das in den Verleihstationen auf erwartungsvolle Teilzeitbenutzerinnen und -benutzer wartet, geschieht, wenn die entsprechende Sportsaison vorbei ist? Das wird doch einfach billig verhökert, weil nächstes Jahr wieder die neuste Ware im Mietregal stehen muss! Dass dieser Miet-Kreislauf besser sein soll als das bewusste Einkaufen, daran glaube ich nicht.

Und ausserdem: Zum eigenen Sportmaterial baut man über die Jahre und mit den erlebten Sportmomenten doch eine innige Verbindung auf, die ans Herz geht. Beim Sport gehört dieses gute Materialvertrauen bei mir jedenfalls dazu. Unvorstellbar, das mit Mietmaterial ebenso intensiv zu erleben!

 

Kontra

Claudio Zemp, ist konsequent geizig. Er kauft nichts und achtet beim Borgen auf die Rückgabefristen, weil es sonst bekanntlich Gebühren hagelt: „Les bons comptes font les bons amis.»

Ich bin ein bisschen kleptomanisch veranlagt und liebe schöne Dinge. Wenn ich beispielsweise ein Markenjersey fürs Rennvelo oder auch nur schon eine iPhone-Werbung sehe, wünscht der kleine Teufel in mir, ich könnte das eine oder das andere in meinen Besitz zaubern. Doch wir wissen: Klauen ist verboten. Selbst wenn das olle Rudergerät schon seit zwei Jahren ungebraucht in Nachbars Keller steht. Und mir den Weg in die Waschküche versperrt.

Also jage ich alternativ gern in Brockis, denn das schont das Portmonee und man findet mit Glück einen alten Skihelm (Marke Head), einen Hockeystock oder Inline Skates. Ganze Golfausrüstungen sehe ich gar, für fast kein Geld. Aber eben: Die Sachen sind alt. Und mit dem Material allein ist es noch nicht gemacht. Wann habe ich je Zeit zum Golfen?

Das Moralengeli hält mir nun eine Predigt, auf die Kaufwut schimpfend. Von wegen Ressourcenverschwendung, Materialschlacht. Es zeigt auf mein überladenes Büchergestell, wo kein Platz mehr ist. Wozu gibt es Bibliotheken? Und sowieso gäbe es genug Dinge auf der Welt, die man teilen oder leihen kann, wieso also noch mehr produzieren?  

Gut, ich frage meinen Nachbarn, ob ich sein Rudergerät einmal brauchen dürfe. Er sagt mir prompt, dass er jeden Dienstagmorgen um 6 Uhr auf dem See trainiert. Im Vierer sei gerade ein Platz frei, ein Mann verletzt. Ob ich einmal mitkommen möge? O, was für ein Glück, dass ich am Dienstag nicht so früh ins Büro muss. Von so einer Gelegenheit habe ich geträumt. Also sage ich zu, und komme auf die Welt. Beziehungsweise ins Rudern...  

Mieten spart Geld und Nerven und bringt sozialen Austausch. Zudem hat man immer die beste Ware, weil: Sie ist schon erprobt. Und wenn etwas nicht passt, kann man ein anderes Teil testen. Keine Fehlkäufe mehr, jeder Ärger mit den Garantien erübrigt sich! Ich kaufe nichts und träume höchstens davon, dass mir der Flaschengeist für die Badesaison einen Waschbrettbauch ausleiht. Nur für einen Tag.  

 

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