Pro & Kontra - Soll man im Leben einen Marathon laufen?

3. Dezember 2018

PRO

Claudio Zemp, hat in seinem jungen Läuferleben erst etwa drei Gedanken an einen Marathon verschwendet. Alle waren bisher negativ, doch die nächste Versuchung kommt bestimmt.

Der Kurier, der bei den alten Griechen nach der Mythologie von Marathon nach Athen hetzte, verstarb im Ziel. Das war natürlich nicht die ursprüngliche Idee gewesen, aber immerhin hatte er seine Botschaft noch auf der Ziellinie zugestellt: «Έχουμε κερδίσει!»[1].

Die berühmteste Schweizer Marathonläuferin ist Gaby Andersen-Schiess. Sie lief 1984 in L. A. als 39-jährige den ersten olympischen Marathon der Frauen. Als sie für die letzten 400-Meter ins Stadion einbog, war sie bereits am Ende ihrer Kräfte. Sie schwankte, doch das jubelnde Publikum trug sie ins Ziel und die besorgten Betreuer fingen sie erst hinter der Ziellinie auf.

Ihr Lohn war ewiger Ruhm, weil alle Welt live sah, wie jeder ihrer Schritte gegen Schluss ein Kampf war. Im Heimatland lösten die TV-Bilder damals Kopfschütteln aus. Die Mehrheit war sich rasch einig: Es wäre gesünder gewesen, sie hätte aufgegeben. Einige meinten gar, die Organisatoren hätten den grenzwertigen Zieleinlauf im Slalom durchs Stadion verhindern und sie aus dem Rennen nehmen sollen. Oder wenigstens nicht filmen! Doch sie kam ins Ziel. Ihre Zeit? Egal.

Man kann sich natürlich schon fragen, ob man für eine Strecke von 42 Kilometern und 195 Metern nicht lieber das Tram oder das Velo nimmt. Dies steht jedem frei. Doch ich persönlich finde, allein die Legende des Laufs ist es wert, zu probieren, ob man das denn auch wirklich mögen täte. Zwei Jahre Training dürften genügen, grob geschätzt. Als Freund von halben Sachen und sanftem Aufbau nehme ich mir für nächstes Jahr glaub erst mal einen halben vor. Zuviel aufs Mal ist ja auch nicht gut, oder?

 

KONTRA

Thomas Borowski möchte, dass Sport seinem Körper Gutes tut. Deshalb verzichtet er ohne Bedauern auf jegliche Strapazen, Marathon inklusive.

Die dringlichste Antwort auf unsere heutige Frage, ob man im Leben einen Marathon gelaufen haben muss, wird mir beim Lesen folgender Daten einfach gemacht, denn die biomechanischen Facts zum Thema Marathon sind wortwörtlich erdrückend: Während dem Lauf über die traditionelle Marathonstrecke von 42 Kilometern werden je nach Laufstil zwischen 40'000 bis 50'000 Schritte absolviert. Die vertikale Belastung auf den Läuferkörper und insbesondere auf die Fuss- und Kniegelenke auf Asphalt entsprechen dabei in etwa dem Drei- bis Fünffachen des eigenen Körpergewichts. Ein 80 Kilogramm schwerer Läufer belastet jedes der genannten Gelenke also während einem Marathon grob geschätzt mit insgesamt 5000 Tonnen. Ist das gesund? Ich glaube nicht.

Ein Marathon ist bereits für jeden durchtrainierten Körper eine Extrembelastung. Für mässig fitte Hobbysportler ist die Absolvierung der Marathondistanz also mit Garantie eine Tortur. Aus diesem Grund verzichte ich freiwillig auf den «Once in a lifetime»-Marathon, auch wenn – zugebenermassen – die Versuchung immer mal wieder auftaucht. Hier ruft ein Trainingskollege die Gruppe zum gemeinsamen Marathon-Happening in einer coolen Stadt auf. Da wartet der supersportliche Freund überraschend mit der Neuigkeit auf, dass er in einem Monat seinen Marathon absolvieren werde und ob man nicht als Buddy mitlaufen möchte?

Nein, lautet meine Vernunftsantwort auf diese Marathon-Versuchungen. Klar ist der Gedanke an all die vielen Glückshormone da, die auf den 42 Kilometern meinen Körper fluten könnten... aber eben: Ich möchte nicht wie der griechische Geschichtsheld Pheidippides nach Absolvierung der Marathondistanz vor Erschöpfung sterben. Deshalb meine klare Haltung: Marathon, nein danke, sollen sich andere damit abplagen!

 

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Der nächste Blogbeitrag erscheint am Montag, 17. Dezember 2018.

 

 

 

[1] «Wir haben gewonnen!»