Das ist ...

14. Mai 2018

SOLA

Sodeli, dieses Jahr war ich leider nicht dabei – Familienferien, forfait, sorry. Aber nächstes Jahr mache ich wieder mit, inschallah, wenn ich einen Platz kriege. Denn ich habe noch eine Rechnung offen mit der Strecke 9: Fluntern – Forch, 11.3 km (Steigung 255 m)

Laufen ist wie lesen, rechnen und schreiben. Einer ist ein bisschen schneller, eine andere etwas eleganter, ansonsten Jekami, alle Jahre wieder. Nach der Sola ist vor der Sola.

Ärgerlicherweise bin ich 2017 knapp über einer Stunde geblieben. Diese Zeit ist zu schlagen. Zumal der Soundtrack funktioniert.

Denn ohne Musik mache ich keinen Schritt. Also rolle ich hier meine Playlist nochmal auf. Sie folgt lose den Ups and Downs der Strecke 9, und sie beginnt mit mentalen Dehnübungen in der Umkleidekabine. Denn für die Sola zieht man sich ja zu Hause um.

(1) Warmup Funaki von Christoph und Lollo. (1999, 5’01)

Ein Skispringerlied lockert die Herzmuskulatur. Dazu ruft man sich die Bilder des Goldlaufs von Hyppolit Kempf an den Olympischen Winterspielen von Calgary in Erinnerung, 1988. Singen und Laufen sind auch zwei paar Schuhe, wie die Nordische Kombination.

Im Tram treffe ich Fernando aus Argentinien. Er ist Sportstudent, hat leider sein Knie beim Rugby geschlissen. Deshalb visiert er nur eine Zeit von 5 Minuten an. Pro Kilometer.
Ich wäre schon froh, wenn ich einen 6-Minutenschnitt schaffe.

(2) Anreise Fernando von Abba (1976, 3’36)

Das Panflötengedudel macht mich etwas nervös. Gut so. Im Wettkampf kann man das Adrenalin gebrauchen. Beim Zoo oben steigen alle aus, es wimmelt von Laufvolk, doch im Sportzentrum Fluntern ist alles perfekt organisiert. Die Startnummer wird angeheftet, noch kurz anstehen fürs Pissoir, dann den Sportsack aufgegeben, der ins Ziel chauffiert wird.

So. Nun naht die Startzeit, also ab auf die Tribüne. Hier warte ich im Sektor 3 unter vielen auf Res, der bald in der Masse auf die 400-Meter-Bahn einlaufen soll. Ich kenn ihn nur flüchtig, aber er hat ja die gleiche Nummer an. Der Speaker ruft ständig Nummern auf…wann bin ich dran?

(3) Wartezone, Sektor 3 Kein Schwein ruft mich auf, frei nach Max Raabe (1995, 3’37)

Die Nervosität steigt ins Adrenalinartige, wann geht denn das endlich los hier?!
Ha, 353! Meine Nummer! Und da kommt tatsächlich Res angelaufen, er gibt mir seinen Bändel - und los!

(4) Start Who let the dogs out von Baha Men ( 2001, 3’31)

Jetzt geht es darum, den Rhythmus zu finden, nur nicht daran denken, wie weit es ist, doch ausgerechnet, was macht dieser Karel Gott in meinem Ohr?  

(5) Kilometer 0.5 (
Einmal um die ganze Welt) (1970, 3:28)

…mit de Tasche voller Geld, davon hab ich schon als kleiner Bub getröhöhöhöimt.
Die Beine machen bisher gut mit, aber nur nicht zu euphorisch werden jetzt, abheben sollen andere, lass sie nur springen, die Jungen und Fitten, die Rehe. Es gilt, die Kräfte einzuteilen.

(6) Kilometer 1 (Hold your Horses von Heidi Happy) (2007, 2:23)

Der lüpfige Countrytrack lädt zum Hüpfen ein, am Wegrand stehen passenderweise Landrover geparkt.

Hoppla, ein kurzer, steiler Abhang, ich drossle, rufe mir selber zu, wie den mollochenden Wallachen in Irland: Wenn es nidsi geht, obacht: «Easy now, easy.»

Nun geht es etwas opsi, durch liebliche Wälder, aber die Lunge meldet sich. Keuch. Jesses, jetzt schon? Ich brauche ein Wanderlied, dringend. Dominik Dachs dringt in mein Ohr, eine Bassstimme, Baseldeutsch. «So Nicki, d Reis god wiiter.» Und «esone Schuelreis, das isch öppis zümftigs!»

(7) Kilometer 3 (Freestyle mit Dominik Dachs)

«Lorechopf und Chatzeschwanz und längi längi Ohre,
das ghört doch zum ene rächte Haas süsch wär er doch verlore…»
I like, die Umgebung ist inspirierend, und es läuft ganz gut. 

Es soll ja Leute geben, die finden Dauerlauf langweilig. Aber das stimmt nicht!
Man muss nur immer schön vorwärts traben, Schritt für Schritt, Schnauf für Schnauf, immer den andern nach. Dazu singe ich nun mein Lieblingslied.

(8) Kilometer 4-5
Mr. Follow Follow von Fela Kuti (1976, 12:58)

Nun ist mein Schritt doch etwas zäh geworden, es geht auch wieder aufwärts. Und da suche ich das Gespräch mit einem Mitläufer. Er heisst Lasse, trägt ein Schwedenleibchen, und er ist mein Traktor, zieht mich den Berg hoch. Uff. Ein bisschen leiden gehört dazu, aber wie sagte Jesus? Du bisch nöd elei…

Wenn aber alles nicht mehr hilft, dann hilft Nella. Immer. Meine Mitläufer links und rechts hören das zwar nicht so gerne, das muss jetzt sein. Ich gehe ein paar Schritte, während Nella mir den Marsch bläst. Ei ei ei, bella Musica.

(9) Kilometer 6 Bella Musica von Nella Martinetti (1986, 2:58)

Senza Musica no va. Geht doch. Doch der Trainingsrückstand existiert halt auch.  
Wie heisst es im Hinterland? So lang wie sie singe, läbesi no.

Es ist so weit, fertig lustig. Ich versuche wieder Tritt zu finden und probiere es mal ohne Ton.

(10) Kilometer 7 4’33 von John Cage (1952, 6-7’)

Oh, was ist denn das, ei, da ist ja schon der Erfrischungsposten!
Das stellt mich auf wie ein alter Schlager.

(11) Kilometer 8,3 «Da steht ein Pferd auf dem Flur» Klaus und Klaus (1983, 1’)

Für Ungeübte ist die Trinkstelle anspruchsvoll. Soll man innehalten und trinken? Weiter rennen auf gut Glück? Sich am Wasser laben, baden gar? Ist das Glas halb voll oder halb leer? Instinktiv nehme ich zwei Becher mit, Wasser to go, es hat genug für alle. Aber wo entsorge ich den Plastik?
Die Landschaft ist zu schön fürs Littering, keine Zeit für lange Rast, alle rennen weiter, also auch ich, es zwickt in der Wade, ich sage der Wade Ade, und jetzt nomol chli opsi. Da oben steht ein Häuschen, in der Ferne, wie schön.

(12)  Kilometer 10,5 «
La haut sur la montagne» Traditionell (2:21)

Hö, was ist denn das für eine Rakete in der Landschaft? Ach so, das muss die Forch sein.

(13) Kilometer 11 «
Back in the USSR», The Beatles (1968, 2:41)

Einige spurten, wo das Zielgelände in Sichtweite kommt, es nur noch bitz runter, ui, ich schliesse die Augen und segle geierhaft zu Tale. Einigermassen entkräftet komme ich heil durch die Schikane der Schlussschleuse, auf die Bahn, wo auch schon die Dame ist, die auf mich wartet, Nummer 353, Patricia geht auf Strecke 10, Bändelwechsel, viel Glück, lauf!

Für mich ist gut jetzt. Da kommt von hinten Matthias angerannt, «log au do, au du?!», er klopft mir auf die Schulter und wir sind uns einig, was am isotonischen Getränkebuffet fehlt.

(14) im Ziel «
Bier her, Bier her!» Trinklied aus Bayern. 

Oder wenigstens eine Cola? Naja, am Schlussessen mit der Gruppe am Abend werde ich meine Energiespeicher wieder füllen können. Das Debriefing gehört natürlich auch dazu, ist gut gegen Muskelkater. Bis zum nächstes Jahr, ihr Seckler, machen wir nochli Werbung…

(15) «Can’t beat the feeling» Banksy (1989)

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Zum offiziellen Bericht der 45. SOLA-Stafette 2018...

Claudio Zemp, Sportreporter

 

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